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  • Betty Bizarre

Einen Tag Training mit Mitgliedern einer Spezialeinheit

Ich bin ein absoluter Naturbursche und liebe es Sport draussen zu treiben. Laufen, bei Wind und Wetter. Selbst Training mit Gewichten wird draussen gemacht. Was vielleicht an meinen alten Berufen liegt: 15 Jahre Strassenwärter beim Land NRW+3 Jahre Berufsjagd (u.a. in Namibia).

Ja, wenn man mir es auch nicht zutraut- ich bin ein absoluter Abenteurer!

Nun im Alter von fast 50 Jahren, wollte ich wissen, wie fit ich noch bin und wo meine Grenzen liegen. Ich war auf der Suche nach was ganz neuem- meiner Herausforderung!!!

Bedingt durch die Jagd und viele andere interessante Kontakte bekam ich das Angebot, ein Training im Militärstyle mitzumachen. Geleitet durch den Trainer einer deutschen Spezialeinheit.

Ich war direkt Feuer und Flamme!!!

Der Trainer sagte mir, dass es sehr anstrengend werden würde. Ich an meine Grenzen und darüber hinaus gebracht werden würde. Aber das war mir egal-ich wusste vor lauter Euphorie, dass ich es packen würde. Die anderen Dinge im Leben hatte ich ja auch mit bravour gemeistert!

Ein klarer Fall von Selbstüberschätzung!

Denn:

Was ich schlichtweg vergessen hatte: Ich war nun 14 Jahre älter geworden-fast 50 und dies wurde mir am Abend vor dem Training bewusst. Ich zweifelte an mir selbst und je näher das Event rückte, um so aufgeregter wurde ich.

9 Uhr traf ich in den Räumlichkeiten in der Umgebung von Bonn ein. Der Trainer bemerkte, dass ich sehr verunsichert war und nahm mir diese Skepsis. Machte mir aber auch klar, dass ich keine bevorzugte Behandlung erfahren werde, nur weil ich Mädchen bin. Das wollte ich aber auch nicht! Ich wollte das knallharte Programm, welches auch die Männer erfüllen mussten. Das restliche Team traf nach und nach ein. Ich war das einzige Mädchen und dazu die älteste im Team- die anderen waren zwischen 22 und 36 Jahren. Wir bekamen Instruktionen. Wurden einheitlich mit Overall, Weste, Helm und Walkietalkie ausgestattet....sogar ein Rucksack für medizinische Notfälle, den wir Gott sei Dank nicht brauchten, war dabei. Was mir zeigte, wie professionell das ganze gestaltet ist. Nun ging es endlich los! Mit 80 Kilo Baumstamm, 21 Kilo Ramme, 25 Kilo Schutzschild und ca 70 Kilo Puppe bepackt ging es los Richtung Drachenfels in Königswinter! Wir setzten mit der Fähre über und sorgten für allgemeine Verwunderung- das war schon ziemlich anstrengend, aber erst der Anfang!

Angekommen am Start ging es direkt los mit einer Übung, vor der ich im Vorfeld gewarnt wurde: Schnecke!

Ein Staffellauf zum erstem Verkehrschild und zurück, 2. Verkehrschild und zurück, Laterne und zurück. Hört sich einfach an, aber nicht bei einer Steigung von 20% und dem Gewicht unserer Klamotten. Ich machte dem Namen Schnecke alle Ehre und hatte das Gefühl, dass ich nicht von der Stelle komme, wie die anderen Teilnehmer auch! Dann wurden Gerätschaften getauscht-ich bekam nun das Schutzschild! Nächster Stop ein paar hundert Meter weiter: Situps!!! Gerätschaften ablegen und einzeln zu den Situps angetreten. Mir war klar, dass ich an dieser Stelle versagen würde...was sich als absoluter Irrtum herausstellen sollte. Ein kleiner Schluck aus der Wasserflasche -diesmal zu zweit Puppe auf die Schulter und ab ging es zur nächsten Aufgabe. Wieder ein kurzer Einzellauf bergauf-langsam fühlte ich mich selbstsicherer und besser und wusste, dass es ein toller Tag werden würde! Nächste Station war eine Übung mit Gasmaske und Ramme einen steilen Böschungsweg hinauf und schön lernen die Atmung zu kontrollieren, damit man nicht in Panik verfällt.

Nun war das erste mal der Punkt gekommen, dass ich das Gefühl hatte es nicht zu schaffen!!! Ich rief immer wieder: Ich packe das nicht- ich falle gleich um! Der Trainer kam zu mir und sagte mit lauter und bestimmter, dominanter Stimme, dass ich der Teil eines Teams bin und mich zusammenreissen soll, weil Selbstaufgabe nicht geduldet wird! Er zeigte mir den Punkt, wo wir kurz ablegen würden: Du packst das-das sind nur ca 100 Meter!!! Das sagte ich mir dann auch und war selbst verwundert, dass ich es geschafft hatte!

Der Wille war stärker als mein Körper- das wurde mir in diesem Moment klar!

Nach einer kurzen Verschnaufpause ging es weiter. Ich bekam diesmal, mit einem Teamkollegen, den Baumstamm von 80Kilo auf die Schulter und es klappte hervorragend!!! Ich wuchs mehr und mehr an den Aufgaben und wurde immer selbstsicherer. Nächster Stop: 4 Steilböschung hinaufklettern im schnellgang. Oben angekommen am Stein abklatschen und wieder runter-das ganze 3 mal hintereinander. Ramme auf die Schulter und weiter. Nächste Aufgabe: Uns wurde ein Partner zugeteilt. Wir mussten uns ca 200 Meter auf dem Rücken tragen. Tauschen und wieder zurück. Mein Teampartner schaute mich ein wenig verloren an. Er trug mich hinauf. Sprang auf meinen Rücken und es ging zum Ausgangspunkt dieser Übung zurück. Das war für mich mit der schwierigste Teil des Trainings, da mein Teampartner größer und schwerer war als ich. Aber auch das hat geklappt! Nun ging es langsam aufs Ziel zu- auf zur Aussichtsplattform des Gipfels des Drachenfels. Der Aufstieg ist recht erschwerlich und es zog sich wie Kaugummi. Die Zeit stand einfach still- wir wollten nur noch eines: Endlich nach 4 Stunden oben ankommen. Die Aussicht war grandios und hat uns für alles entschädigt!!! Wir bekamen alle das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht, denn wir hatten es tatsächlich geschafft!! Ich fühlte mich euphorisch, Adrenalin-und Endorphin gepuscht! Mein Wille hatte meinem Körper bezwungen! Wir machten ein paar Gruppenfotos des Team´s mit der Flagge! Was wir total vergaßen, im taumel der Freude: Wir mussten nun mit allem wieder runter und das zufuß! Auf ging´s- Puppe auf die Schulter und los! Das Team tauschte untereinander die Gerätschaften. Wir legten einige kurze Stop´s ein und es folgte auf halben Weg noch eine Übung. Der Name dieser Übung war: Unterwasser. Wir mussten alle Gerätschaften in Kopfhöhe schultern und einen Böschungsweg hinauf. Man merkte, dass das Team langsam mehr als an die Grenzen gekommen war. Aber der Wille war: Zurück zum Startpunkt unserer Mission! Der Weg ist das Ziel! Es wurde unterwegs geseuftzt und es unterliefen uns mehrere kleine Fehler. Was dazu führte, dass wir nun auch noch Strafliegestütze machen dürften- das gehört natürlich auch dazu!!! Endlich an der Fähre angekommen, tauschten wir uns aus, wie es uns gefallen hat. Alle waren begeistert!!! Mit der Fähre übergesetzt folgen die letzten 500Meter zum Ausgangspunkt und ich fragte mich, ob der Weg am Anfang auch so lang war. Ich merkte jeden Muskel und jeden Knochen im Körper und dennoch war es ein tolles, befriedigendes Gefühl! Ich hatte es tatsächlich geschafft. Ich konnte es kaum glauben! Insgesamt 2 mal hatte ich das Gefühl aufgeben zu wollen. Aber der Trainer wusste nur zu gut, mit dieser Situation umzugehen. Aufgrund seines Backgrounds, weiss er genau wie er Personen und Situationen einzuschätzen hat. Wie er mit den Menschen umgehen muss, um sie an ihre Grenzen und darüber hinaus zu bringen.

Eine Woche später bin ich immer noch total geflasht. Ich habe mir ganz neue Ziele gesetzt und habe mich ganz neu erfunden, da ich mich, meine Willensstärke, meine Kräfte total unterschätzt habe. Ich bin noch lange nicht an meinen Zielen angekommen! Ich würde dieses Training immer wieder machen. Ich hatte ein paar Tage heftigen Muskelkater in den Schultern und Armen...musste aber schmunzelnd an dieses tolle Erlebnis zurück denken.

Eure Betty